Blühendes, flatterndes Österreich

 
Noch flattern bunte Schmetterlinge über heimische Blumenwiesen. Ihr Lebensraum wird aber zusehends kleiner. ADEG unterstützt die Initiative „Blühendes Österreich“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, diese wertvollen Flächen zu schützen.


Das Ziel der Initiative „Blühendes Österreich“ ist es, dass sich auf unseren Wiesen wieder mehr Schmetterlingsarten, Wildbienen und andere Tiere ansiedeln und vermehren können. Denn viele Schmetterlingsarten leben auf Trockenrasen oder Magerwiesen – Flächen, die von uns Menschen bedroht werden: Versiegelung, intensive Landwirtschaft, Bebauung. Diese Wiesen werden meist gedüngt und zu oft gemäht, sodass nur wenige Pflanzenarten reife Samen ausbilden können. Dadurch verschwinden viele Pflanzenarten, die für Schmetterlinge wichtige Lebensgrundlage sind – still und unbemerkt. Auch Auen, Moore oder alte Streuobstbestände sind für viele heimische Blumen, Kräuter, Insekten, Vögel und Säugetiere überlebensnotwendig. Und eine einmal versiegelte Fläche ist kaum wieder zu ihrer natürlichen Form zurückzuführen.

Diese bedrohten Flächen sollen gerettet werden: Grundbesitzer bekommen eine Prämie, damit sie Blumenwiesen erhalten, pflegen, weiterhin schützen oder noch verbessern. Der Schmetterlingsschutz ist dabei ein zentrales Thema, denn Schmetterlinge sind wichtige Indikatoren: Sie zeigen sehr früh an, ob sich ihr Lebensraum in einem Ungleichgewicht befindet. Trotzdem haben die Schmetterlinge keine Lobby, wie sie etwa die Bienen haben. Vielleicht, weil ihre Nützlichkeit nicht so offensichtlich ist.

  
Jeder Cent hilft


Mit jedem Kauf eines „Da komm’ ich her!“-Produktes bei ADEG wird die Initiative mit einem Cent unterstützt. So kann jeder beim Einkauf dabei helfen, die Heimat der Schmetterlinge zu retten und letztendlich auch unsere Heimat lebenswerter zu machen.

  
  

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INTERVIEW MIT PETER HUEMER

„SCHMETTERLINGE ZEIGEN DEN ZUSTAND DER UMWELT AN“


Peter Huemer ist Schmetterlingsforscher. Im Interview erzählt er von Schmetterlingen in Österreich, welchen Bedrohungen diese ausgesetzt sind und was wir dagegen unternehmen können sowie über das filigrane Gleichgewicht, in dem sich die Natur befindet. Als Schmetterlingsforscher ist er selbst ein seltenes Exemplar. „In Österreich gibt es nur eine Handvoll Menschen, die sich professionell mit Schmetterlingen beschäftigen“, sagt Peter Huemer, Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen. Er ist Fachbeirat der Stiftung „Blühendes Österreich“ und Verfasser des Schmetterlingsreports „Ausgeflattert“. Dass er einer von wenigen Schmetterlingsexperten ist, ist Teil des Problems: Schmetterlinge sind zwar als Motiv beliebt, haben aber keine Lobby.

Wieso haben Schmetterlinge keine Lobby wie etwa Bienen? Sind sie nicht wichtig genug?

Schmetterling fliegt über Blumenwiese Schmetterling fliegt über Blumenwiese Schmetterling fliegt über Blumenwiese


Schmetterlinge sind sehr wichtig – auch wenn es keine Zahlen gibt, um dies monetär zu bewerten. Eine Bewertung ist ohnehin ein gefährliches Spiel – global gesehen ist jeder Organismus wichtig. Die Bestäubungsleistung der Schmetterlinge ist enorm, nach den Bienen sind sie international die wichtigste Bestäubergruppe.

Es gibt eine breite Palette von Blütenpflanzen, die überwiegend von Tagfaltern bestäubt werden, viele Nelkengewächse werden ausschließlich von Nachtfaltern bestäubt. Darüber hinaus sind Schmetterlinge in jedem ihrer Stadien ein wesentlicher Teil des ökologischen Kreislaufs, Millionen von Raupen fressen Laub und zersetzen es, sie führen somit die Pflanzeninhaltsstoffe wieder dem natürlichen Kreislauf zu. Ohne solche Tiere wäre die Bodenbildung gravierend gestört, mit fatalen Folgen für die Landwirtschaft. Andere Tiere wie Vögel oder Fledermäuse fressen Raupen und Falter und halten wiederum deren Population im Gleichgewicht. Der Naturhaushalt ist in einem filigranen Gleichgewicht, auch die Schmetterlinge tragen dazu bei, es zu halten.

  
   

Schmetterlinge sind wichtige Bioindikatoren. Was bedeutet das?


Schmetterlinge zeigen den Zustand der Umwelt an. In einer Blumenwiese, die wunderschön aussieht, aber kaum Schmetterlinge beheimatet, ist etwas nicht in Ordnung. Eventuell ist die Fläche durch Spritzmitteleinsatz in der Umgebung belastet, sie wird zu früh gemäht, oder der Wasserhaushalt im Boden ist gestört. Die Blumenwiese selbst zeigt dies alles nicht so schnell an.

Wie viele Schmetterlingsarten gibt es? Und wie viele sind bedroht?


Weltweit gibt es rund 180.000 Arten, in Österreich leben über 4.000. Rund die Hälfte davon steht auf Roten Listen, ist also mehr oder weniger gefährdet. Aber auch viele Arten der anderen Hälfte sind stark rückläufig. Zum Beispiel gab es in der Nordschweiz noch vor 100 Jahren geschätzte 100 Mal so viele Zitronenfalter wie heute. Er steht aber trotzdem (noch) nicht auf der Roten Liste, weil man selbst in 100 Jahren voraussichtlich noch Zitronenfalter finden wird. Wir sprechen viel zu viel von den offiziell als bedroht geltenden Arten. Es geht auch um den Schutz der nicht gefährdeten Arten, wie zum Beispiel des Tagpfauenauges.

 
  
   

Nachtfalter sind weniger bedroht als Tagfalter. Wieso?


Einer der Gründe ist, dass Nachtfalter häufig in Waldlebensräumen oder der alpinen Zone leben. Diese Gebiete sind dem Druck des Menschen weniger ausgesetzt: Eine Rodung ist rechtlich schwierig umzusetzen. Wenn ein Landwirt aber beschließt, mit dem Güllewagen in eine Magerwiese zu fahren und daraus eine Fettwiese zu machen, bedeutet das eine Änderung in kurzer Zeit, die sehr leicht durchzuführen ist, aber katastrophale Folgen hat. Viele Magerwiesen befinden sich außerdem in Gunstlagen und werden daher bevorzugt verbaut.
 
  
   

Welche Gefährdungsfaktoren gibt es noch?


Neben der Tendenz zu intensiver Landnutzung durch die Landwirtschaft ist vor allem Versiegelung ein gravierender Faktor. Jeden Tag werden in Österreich 19 Hektar Bodenfläche versiegelt. Das ist katastrophal. Es gibt keine einzige Schmetterlingsart, die Beton frisst, weder als Raupe noch als Falter. Ein weiterer Gefährdungsfaktor mit verheerenden Folgen ist die ausufernde Lichtverschmutzung. Milliarden von Nachtschmetterlingen sterben, weil sie in Gartenbeleuchtungen, Straßenlaternen oder sonstige Beleuchtungskörper geraten – etwa Insektenfallen, die sogar damit beworben werden, dass sie Insekten wie Wespen vernichten.

 
  
   

Was können wir für die Schmetterlinge tun?


Das Hauptanliegen betrifft nur einen kleinen Teil der Bevölkerung: Blumenwiesen sollten nicht gedüngt werden. Es bedeutet einen unglaublichen Aufwand, durch Düngung veränderte Wiesen zu renaturieren. Dringender ist daher, die noch vorhandenen wertvollen Flächen effektiv zu schützen – genau das, was „Blühendes Österreich“ macht. Wer einen Garten hat, kann sehr vieles tun: auf englischen Rasen und Thujen verzichten, stattdessen der Natur freien Lauf lassen, so selten wie möglich mähen und die Vielfalt im Garten und auf dem Balkon fördern, indem unterschiedliche, einheimische Pflanzen gesetzt werden. Brennnesseln stehen zu lassen bedeutet schon eine Chance für einige Arten, die dort leben: Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs oder Landkärtchen. Kindern zeigen, wie eine Raupe aussieht, und dadurch ihr Bewusstsein schärfen. Sagen Sie nie zu Ihren Kindern: ‚Rührt das nicht an.‘ Sonst sind sie irgendwann uninteressiert. Die Arbeit für den Schmetterlingsschutz ist vielleicht nur ein winziger Tropfen auf den heißen Stein. Vielleicht kann es aber ein sehr großer Tropfen werden, wenn er Bewusstsein schafft. Dann ist sehr viel gewonnen.

  
  

Nahaufnahme Schmetterling Nahaufnahme Schmetterling Nahaufnahme Schmetterling

BEDROHTE UND SELTENE SCHÖNHEITEN


In Österreich gibt es über 4.000 Schmetterlingsarten, davon rund 200 Tagfalter. Die Bestände vieler Schmetterlingsarten schwinden bedrohlich schnell, auch wenn sie noch nicht klein genug sind, um auf Roten Listen aufzuscheinen. Hier sind einige der vielen Arten, die unsere Aufmerksamkeit verdient haben.


 

Schmetterlings-App


Interaktives Schmetterlingsbeobachten


Die Stiftung Blühendes Österreich und Global 2000 laden mit einer neuen, kostenlosen App ein, Teil der österreichweiten Initiative zur Zählung und Sichtung der Tagfalter zu werden. Die App „Schmetterlinge Österreichs“ ermöglicht das Melden von Schmetterlingsbeobachtungen. Mit Hilfe eines einfach zu bedienenden Filtersystems und der Fotofunktion ist selbst für Laien eine Bestimmung der häufigsten Arten einfach möglich. Im Apple iTunes Store und im Android Store gratis erhältlich.

www.schmetterlingsapp.at