Weihnachtliches Brauchtum in Österreich

Wie die meisten der Bräuche ist auch das Weihnachtsfest kirchlich geprägt, geht aber auf heidnische Sitten zurück. Schon 45 v. Chr. feierte man am Tag der Wintersonnenwende mit einem großen Volksfest den Feuergott Saturn.

Das beliebteste Symbol der Weihnachtszeit, der Christbaum, ist mit seinem satten Grün Symbol der Hoffnung auf neues Leben. Ausgehend vom Elsass und von Schlesien hat im 18. Jahrhundert der Weihnachtsbaum in Österreich Einzug gehalten. Und mit diesem folgte der Brauch des Weihnachtsgebäcks und der Familienbescherung.


Der Barbarazweig

Weihnachtskranz an der Haustür Weihnachtskranz an der Haustür

Auch die „Barbarazweige“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Viele Menschen stecken am 4. Dezember Obstbaum- oder Forsythienzweige in eine Vase und warten darauf, dass sich am Heiligen Abend die ersten Blüten zeigen. Warum eigentlich, und warum am Tag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, Gefangenen und Feuerwehrleute? Eine Legende besagt, dass Barbara einen Heiden hätte heiraten sollen, sich dagegen wehrte und enthauptet wurde. Auf ihrem Weg in die Gefangenschaft soll sich ein Kirschzweig in ihren Kleidern verfangen haben, der am Tag ihres Todes zu blühen begann. Das Aufblühen der Zweige zu Weihnachten gilt als Orakel, als Zeichen von Glück, Freude und Gesundheit, manchmal als Erfüllung eines Liebeswunsches.
 

Der Adventkranz

Noch gebräuchlicher und in fast jedem Haus zu finden ist der Adventkranz. Seit der Antike ist der Kranz ein Siegessymbol. Der Adventkranz in der heutigen Form hat seinen Ursprung im protestantischen Milieu. Um seinen Schützlingen das Warten auf den Heiligen Abend zu verkürzen, ließ der Theologe Johann Hinrich Wichern im Jahr 1839 einen Holzkranz, eigentlich ein Wagenrad, mit 19 kleinen roten Kerzen für die Wochentage und vier dicken weißen Kerzen für die Sonntage im Advent schmücken. Immer mehr diakonische Einrichtungen übernahmen diesen, und seit etwa 1930 ist er – meist aus Tannenreisig und reduziert auf vier Kerzen – auch in Österreich beliebt.
  


Der Adventkalender
 

Der Adventkalender entwickelte sich aus den „Klausenhölzern“, einem Holzstück, in dem die Gebete und die guten Taten der Kinder in den mittelal-terlichen Klosterschulen eingeritzt wurden. Den ersten gedruckten Advent kalender gab es im Jahr 1903. Ihn haben wir einer Mutter zu verdan-ken, die ihrem Sohn für jeden Vor-weihnachtstag eine kleine Schachtel mit Keksen anfertigte, weil er sie ständig mit der Frage quälte, wann denn endlich Weihnachten sei. Ebenso wurde und wird noch immer das Basteln einer Krippe und das „Stroh-halmlegen“ in die leere Krippe als Vorbereitung auf das Fest gepflegt.
 

Der Mistelzweig
 

Ausgehend von England fand der Brauch von „holly and mistletoe“ bei uns Einzug. Der Mistelzweig galt bei den keltischen Druiden als Heiligtum und gilt jetzt noch als Friedenssymbol. Ihm wird die besondere Kraft nachgesagt, Glück zu bringen und böse Geister abzuwenden. Als Freundschaftssymbol brachte man Mistelzweige in die Häuser der Nachbarn, und traf man dabei Feinde, so umarmte und versöhnte man sich. Daraus entwickelte sich auch der Brauch, dass man sich unter dem Mistelzweig küssen soll. Die immergrüne Stechpalme mit den roten Kugelfrüchten galt ebenfalls schon im Mittelalter als Sinnbild ewigen Lebens. In Österreich, vor allem im Ötscherland, wird die Stechpalme Schradl genannt, weil sie angeblich den Schradl, einen unheilstiftenden Kobold abschrecken kann.
 

Mistelzweig Mistelzweig

Adventsingen
 

Auch viele andere Rituale wie das Adventsingen, das auf umherziehende singende Studentengruppen in der Reformationszeit zurückgeht, die Herbergsuche, die schon im Mittelalter aufgeführt wurde, oder der Besuch eines Christkindlmarktes sind alte Bräuche, derer wir uns in der Vorweihnachtszeit erfreuen.
 

Buchtipp:
 

„Weihnachtsbräuche in Österreich“, Reinhard Kriechbaum, Verlag Anton Pustet, 2010
„Weihnachtsbräuche in aller Welt: Von Martini bis Lichtmess“ Rüdiger Vossen, Ellert & Richter, 2012