Die Tracht liegt voll im Trend

Trachtenmode ist heute beliebt wie nie zuvor

Dirndlkleider und Trachtenröcke sind heute aus dem Kleiderschrank der stilbewussten Dame nicht mehr wegzudenken, ebenso wenig die Lederhose für den stilsicheren Herrn. Denn die Tracht ist nicht nur kleidsam und elegant, sondern gleichzeitig das ideale Kleidungsstück für unzählige Gelegenheiten. Ob als Alltagstracht oder feierlich als Festtagsdirndl – Trachten bieten für jeden Anlass und jede Altersgruppe das richtige Kleidungsstück.

Immer gut gekleidet in Trachtenmode

Bei jeder Gelegenheit – auf Familienfesten, beim Trachtenball, beim Wiener Wiesn-Fest oder beim Kirchgang am Sonntag – kann man mit Trachtenmode eine gute Figur machen. Aber: Auch wenn die Tracht mittlerweile im Alltag angekommen ist, bleibt sie dennoch etwas Besonderes. Eine zünftige Lederhose oder ein fesches Dirndl und die dazu passenden Accessoires lassen die Trägerin oder den Träger stilbewusst und modisch, aber gleichzeitig traditionell und edel erscheinen. Darum werden Trachten mit alpinem Chic von allen Generationen – von Jung bis Alt – gerne getragen.

Erlaubt ist, was gefällt: Nicht zuletzt deshalb ist der alpine Chic alltagstauglich, überall einsetzbar und modern. So sind durchaus auch Kombinationen mit Jeans und modernen Schuhen kein No-Go, sondern eine gute Möglichkeit, modisch und dennoch elegant durch den Alltag zu gehen. Auch bei Accessoires ist Damen und Herren fast alles erlaubt, was gefällt, und sich gut zur Tracht kombinieren lässt.

Bild von Lederhosen am Haken Bild von Lederhosen am Haken Bild von Lederhosen am Haken

Geschichte der Tracht

Zurückverfolgen lässt sich der Begriff „Tracht“ auf das Althochdeutsche: „Trahta“, was so viel bedeutet wie: „etwas, das getragen wird“. Im allgemeinen Sprachgebrauch steht das Wort „Tracht“ für traditionelle und historische Kleidung. Seit ihrer Entstehung im 15. Jahrhundert hat sie sich dabei sehr stark weiterentwickelt. Aus diesen ursprünglich für Arbeiter vorgesehenen Kleidungsstücken wurden im Laufe der Geschichte dann die heutigen modernen Dirndl und Trachten.

Volkstrachten wurden ursprünglich hauptsächlich von Bauern und auf dem Feld getragen und ließen oft durch Farben und Verarbeitung auf eine bestimmte Herkunft schließen. Die Kleidungsstücke eigneten sich sehr gut, um Feld- und Hausarbeit zu verrichten. Mägde trugen schlichte Kittel aus festem Stoff, die mit weiten Röcken gut für den Arbeitsalltag geeignet waren, da sie in den Taschen kleine, lose Gegenstände mitnehmen konnten. Lederhosen waren vor allem beliebt unter Bauern und Knechten, da sie durch das robuste Obermaterial der Lederhosen vor äußeren Einflüssen wie Regen und Kälte sehr gut geschützt waren. Die Kleidung war ebenso zweckdienlich: Taschen waren vor allem für die Aufbewahrung kleinerer Feldarbeitsgeräte gedacht, Schnürungen waren geeignet, um Größenanpassungen vorzunehmen.

Bild eines rosa Dirndls mit einem Jäckchen Bild eines rosa Dirndls mit einem Jäckchen Bild eines rosa Dirndls mit einem Jäckchen

Endgültig erwachte das Interesse an Trachten in vielen Gegenden des heutigen Österreichs erst im späten 19. Jahrhundert, als im Zuge der Heimatbewegung eine Rückbesinnung auf regionale Besonderheiten und ländliche Romantik stattfand. Die Kleidung verriet dem Betrachter dabei sehr viel über den Träger: So ließ sich neben der Herkunftsregion und dem Heimatdorf auch die finanziellen Verhältnisse, die Stellung innerhalb des Dorfes, der Personenstand, und sogar der Anlass des Tragens ablesen. Die Tracht war also ein hoch komplexes Thema, und oftmals wurden qualitativ hochwertige Stücke gegen weit schlechtere Stoffe eingetauscht, wenn dies bestimmten Moden entsprach. Solche Modeströmungen waren allerdings auch damals schon stark unterschiedlichen industriellen Einflüssen unterworfen – die Unternehmen definierten, welche Stoffe und Verzierungen auf dem Markt erhältlich waren.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein fanden die Trachten in Österreich weite Verbreitung und lassen sich bis heute als Gegenpol zur bürgerlichen Kleidung sehen. Dabei wird heute zwischen zwei Formen der Tracht unterschieden: die traditionelle Volkstracht, die noch heute zu besonderen Ereignissen und meist bei Volksfesten getragen wird, und moderne Dirndln und Janker, die oft auf Jagd- und Wanderbekleidungen zurückgehen.

Heutzutage gibt es zahlreiche Feste und Möglichkeiten, die Tracht aus dem Schrank zu nehmen und sie herzuzeigen: z.B. bei zahlreichen Kirtagen, Wein- und Feuerwehrfesten überall in Österreich, oder bei der Wiener Wiesn, die mit dem ADEG Wiesn-Fest Dorf, einer Flaniermeile der Extraklasse, zum Ausprobieren von regionalen Schmankerln einlädt.

Trachten für Jung und Alt

Von der Einschulung, der Kommunion bis zur Hochzeit – die Tracht begleitet einen ein Leben lang. Für jeden Anlass gibt es dabei die richtige Tracht, und jede Tracht unterscheidet sich von der anderen. Material, Muster, Accessoires und Schnitt machen oft den Unterschied zwischen den verschiedenen Dirndl-Formen.

  • Die Alltagstracht

Diese Tracht wird im Alltag von Jung und Alt getragen und ist meist aus gut zu reinigenden Materialien, wie Baumwolle und Leinen, hergestellt. Sie verzichtet auf aufwändige Dekoration und Stickereien und ist für das Tragen im täglichen Leben gedacht.

  • Das Sonntagsdirndl

Das Sonntagsdirndl besteht aus einer Kombination aus Wolle und Seide. Besondere Verzierungen wie Borten und Rüschen geben ihm sein charakteristisches Aussehen und lassen den feierlichen Aspekt der Kleidung erkennen.

  • Das Festtagsdirndl

Gerade für feierliche Anlässe eignen sich Trachten besonders gut – die eigens dafür gefertigten Festtagsdirndl sind meist ganz aus Seide und werden nur zu besonderen Gelegenheiten herausgeholt. Besondere Feiertage bieten den Trägerinnen die Gelegenheit, ein besonders edles und ausgefallenes Dirndl aus dem Schrank zu nehmen. Meistens sind die Festtagsdirndl mit besonderen Rüschen, Borten, Verzierungen und Stickereien besetzt und sehr farbenfroh gestaltet. In hellen Farben kann das Festtagsdirndl auch als Brauttracht Verwendung finden, meist kombiniert mit einer Schürze aus Musselin oder Tüll.

  • Kinderdirndl

Auch für Kinder, bereits ab den ersten Lebensjahren, gibt es eine breite Auswahl an Dirndln. Im Gegensatz zum Dirndl für die Dame oder der Tracht für den Herrn, müssen Kindertrachten andere Anforderungen erfüllen. Wichtig ist hier neben dem Aussehen vor allem, dass die Kleidung bequem am Körper sitzt und sich die Kinder frei bewegen können. Zusätzlich gilt für allem für Kinderdirndl, dass sie im Idealfall auch gut zu reinigen und pflegen sind. Bei Farben und Mustern werden zwischen Erwachsenen- und Kindertrachten keine Unterschiede gemacht. Jedoch sind Dirndl für Kinder meist hochgeschlossen, was für die Dirndl für Erwachsene nicht gilt.

Schuhplattler auf der Bühne Schuhplattler auf der Bühne Schuhplattler auf der Bühne
Mädchen im Kinderdirndl auf dem Balkon eines alten Holzhauses Mädchen im Kinderdirndl auf dem Balkon eines alten Holzhauses Mädchen im Kinderdirndl auf dem Balkon eines alten Holzhauses
Lederhosen auf Haken Lederhosen auf Haken Lederhosen auf Haken

Tracht: Immer ein Stück Heimat im Gepäck

Wohin es einen im Leben auch verschlägt, mit der Tracht ist auch immer ein Stück Heimat mit dabei. Denn für viele ist das Dirndl ein Ausdruck der Herkunft und ihrer nationalen Identität. Dabei trägt man allerdings in den unterschiedlichen Regionen Österreichs ganz unterschiedliche Trachten, die sich teilweise stark voneinander unterscheiden:

  • Das Ausseer Dirndl

Im Ausseerland wird das Dirndl mit Überzeugung und Stolz getragen und ist dabei kein Luxusgut, sondern eine alltagstaugliche Bekleidung, die zur Identität gehört. Das klassische Ausseer Dirndl ist dabei eigentlich ein Alltagsdirndl aus unproblematischen Stoffen wie Baumwolle und Leinen mit sparsamer Verzierung. Es besteht aus einem rosafarbenen Baumwollrock mit weißen Streublumen, einem grünen Leinenleiberl, und einer lila Schürze aus Baumwolle, ebenfalls mit Blumenranken. Das Grün steht dabei für Wiesen und Wälder, das Rosa für die Alpenveilchen, und das violett für den Enzian.

  • Kärntner Dirndl

Zwar gibt es in Kärnten achtzig verschiedene Kärntner Dirndl, die offiziell als Tracht getragen werden, jedoch hat sich nur eines wirklich durchgesetzt: das Kärntner Blaupunktdirndl, auch bekannt unter dem Namen Resch-Dirndl, nach seinem Erfinder Prof. Leopold Resch. Das Kärntner Dirndl besteht im Kern aus dunkelblauem Baumwollstoff mit weißen Punkten. Passend dazu wird eine weiße Schürze mit roten oder blauen Blumenmustern getragen. Zu festlichen Anlässen kann allerdings auch eine schwarze Seidenschürze dazu kombiniert werden.

  • Niederösterreich Dirndl

Vom Bundesland Niederösterreich gibt es drei verschiedene Varianten eines Landesdirndls. Zum einen gibt es das Niederösterreich Dirndl mit Blaudruck, dessen grün-gestreifte Schürze mit Blumenranken verziert ist. Außerdem besteht eine ähnliche Variante mit blauem Leinenleiberl, die in den Farben dem Blaudruck-Dirndl stark ähnelt. Das Niederösterreich Dirndl für festliche Anlässe besticht vor allem durch sein besonderes Muster. Das Leiberl des Festtagsdirndls ist kariert, aus Halbseide und mit Knöpfen, die mit dem niederösterreichischen Landeswappen verziert sind, besetzt. Die Schürze des niederösterreichischen Festtagsdirndls ist meist aus dunkelblauer Seide, der Rock unterhalb ist schwarz.

  • Tiroler Tracht

Neben Niederösterreich hat lediglich Tirol ein eigenes und offiziell gültiges Landesdirndl. Dabei gibt es sowohl eine Alltags-, als auch eine Festtagsvariante der Tiroler Tracht. Erstmals präsentiert wurde das Dirndl im Jahr 2011 bei der Langen Nacht des Dirndls, wobei darauf geachtet wurde, dass Farb- und Stoffzusammenstellung die Bodenständigkeit des Tiroler Dirndls unterstreichen. Das Tiroler Dirndl ist angelehnt an die Tiroler Werktagstracht, und daher eher schlicht und aus natürlichen Materialien gefertigt. Bekannt sind zwei Varianten des Dirndls: Eine aus Baumwolle mit rotem Oberteil und grüner Baumwollschürze mit Blumendruck, sowie eine festliche Version, bei der das Oberteil aus Seide oder Wollbrokat, die Schürze aus grüner Seide gefertigt ist.

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