Rauhnächte - Mythen und Magie

Bedeutung und Rituale der 12 Nächte zwischen den Jahren

Sie gelten als die dunkelsten Nächte des Jahres, in der Perchten und Dämonen ihr Unwesen treiben – die Rauhnächte zwischen Weihnachten und dem 6. Jänner. Nur wenige Tage im Jahr sind so eng mit Aberglauben und Brauchtum verbunden. Laut Volksglauben sollen in diesen Nächten allerhand Dinge passieren, da die Verbindung zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt besonders stark ist, stärker jedenfalls als gewöhnlich. Die 12 Rauhnächte repräsentieren dabei die Wiederkehr der Seelen Gestorbener und die Erscheinung von Geistern. Glaubt man daran, so eignen sich diese Nächte dafür, um in die Zukunft zu blicken, für Traumdeutungen, Räuchern, oder um ein Orakel zu befragen. Wer nicht an Zukunftsdeutungen und die Rituale rund um die Rauhnächte glaubt, der kennt zumindest die Perchten, die in vielen Gegenden Österreichs in dieser Zeit auftreten und bei Umzügen zu beobachten sind.

Entstehung der Rauhnächte

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Die Herkunft des Wortes „Rauhnächte“ lässt sich heute nicht mehr eindeutig belegen. Häufig geht man davon aus, dass es auf das mittelhochdeutsche Wort „rûch“ zurückgeht, das so viel bedeutet wie „haarig“, und das bis heute bei Kürschnern als „Rauchware“ als Synonym für „Pelze“ in Verwendung ist. In dieser Bedeutung könnte es sich sowohl auf behaarte Geister und Dämonen beziehen, die in dieser Zeit ihr Unwesen treiben, aber auch auf bestimmte Rituale, die mit Tieren zu tun hatten. Eine weitere mögliche Erklärung für die Herkunft des Wortes kommt vom Brauch, Stallungen mit Weihrauch auszuräuchern. Kalendarisch lassen sich die Rauhnächte und ihre zeitliche Einordnung vermutlich auf die Zeitrechnung mit dem Mondjahr zurückführen. Ein Jahr aus 12 Monden besteht hier im Vergleich zum Sonnenjahr aus nur 354 Tagen im Vergleich zu 365 Tagen. Die so fehlenden elf Tage oder zwölf Nächte werden dabei als „tote Tage“ oder „Tage aus der Zeit“ bezeichnet und eingeschoben. Mythologisch wird behauptet, dass an diesen Tagen die Naturgesetze nicht mehr greifen und daher der Zugang zu anderen Welten geöffnet werden. Gegenden und Kulturen, deren Jahr nach dem Mondkalender strukturiert ist, wird diese Zeit folglich oft mit Ritualen und Volksglauben verbunden.

Die wichtigsten Rauhnächte sind dabei:

  • Die Nacht auf den 22. Dezember, auch bekannt als Thomasnacht – die längste Nacht des Jahres; in der nordischen Mythologie ist sie als Julnacht bekannt, bei uns auch als Wintersonnwende
  • Die Nacht auf den 25. Dezember, die Heilige Nacht und mit die wichtigste Nacht in der christlichen Religion
  • Die Nacht auf den 1. Jänner, der Jahreswechsel
  • Die Nacht auf den 6. Jänner, Erscheinung des Herrn und die Nacht auf den Tag der Heiligen Dreikönige

Mythos Rauhnächte

Wer die Geister befragen wollte, tat das früher am besten in einer der Rauhnächte. Aber auch darüber hinaus werden ihnen zahlreiche magische Eigenschaften nachgesagt. Zahlreiche Traditionen, die bis heute ausgeführt werden, lassen sich auf den alten Glauben rund um die Rauhnächte zurückführen – so zum Beispiel die Perchtenumzüge, das Räuchern von Wohnungen und Stallungen, oder die Sternsinger, die am 6. Jänner um die Häuser ziehen.

Vor allem am Weihnachtsabend sollen Geister und Dämonen besonders stark sein, was das Läuten der Kirchenglocken erklärt, welches die Geister vertreiben soll. Eine der verbreitetsten Legenden rund um die Rauhnächte ist jene der „Wilden Jagd“. Hier sollen Frau Holle und Odin, der germanische Gott, gemeinsam mit anderen Dämonen durch die Landschaft ziehen. Um Frau Holle und Odin gnädig zu stimmen wurden Kuchen, Fleischstücke und andere Nahrungsmittel vor die Tür gestellt. Wer jedoch so unachtsam war, Wäsche aufzuhängen, so musste man allerdings damit rechnen, dass Odin das Wäschestück als Leichentuch für denjenigen nimmt, der es aufgehängt hat.

Auch den Träumen in Rauhnächten wurden besondere Bedeutung zugesprochen. So heißt es, dass alles, was man während den Rauhnächten träumt, in den ersten Monaten des neuen Jahres auch tatsächlich geschieht, wobei Träume vor 00:00 Uhr die jeweils ersten, und Träume nach 00:00 Uhr die zweiten Monatshälften betreffen sollen. Ebenso ist es mit Wünschen: Manche der Wünsche, die in den Rauhnächten geäußert werden, gehen in Erfüllung.

Die Rituale der Rauhnächte

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Auch wenn einige der Rauhnächte eine besondere Bedeutung haben, bilden die 12 Rauhnächte eine Einheit. Sie bezeichnen in vielen Kulturen die Zeit zwischen den Jahren, die keinem Jahr zugeordnet werden kann, und in der Dämonen und Monster ihr Unwesen treiben. Daher drehen sich die Rituale, die zu dieser Zeit ausgeführt werden, oft um die Vertreibung dieser Dämonen. Sie sind oft eng mit dem Christentum und den Weihnachtsfeiertagen verbunden, haben jedoch gelegentlich auch heidnischen Ursprung. Zu den bekanntesten Ritualen rund um die Rauhnächte zählen:

  • Das Sonnwendfeuer, mit dem das Ende des alten und der Neubeginn des neuen Jahres gefeiert werden soll.
  • Feuerwerk, durch das Geister vertrieben werden sollen.
  • Im Volksglauben ist die Ansicht vertreten, dass während der Rauhnächte keine Wäsche oder Wäscheleinen aufgehängt werden dürfen.
  • Jede Form von Glücksspiel ist zu dieser Zeit verboten.
  • Frauen und Kinder sollen das Haus nach Einbruch der Nacht im Idealfall nicht mehr verlassen.
  • Durch Räuchern sollen Häuser, Stallungen und Wohnungen von bösen Geistern gereinigt werden.
  • In einigen Gegenden Österreichs ziehen Perchten durch die Straßen. Sie sollen darauf achten, dass alle Regeln, die die Rauhnächte begleiten, umgesetzt werden und durch das Läuten der Schellen Unglück vertreiben.


Das Räuchern

Eines der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Rituale im Rahmen der 12 Rauhnächte ist das Räuchern. Es dient dazu Wohnungen, Häuser und Ställe von negativen Energien zu reinigen, positive Energien freizusetzen, und böse Kräfte zu verjagen. Für das Räuchern eignen sich besonders Beifuß, Mistel, Lavendel, Holunder und Fichtenharz.

Eine kurze Anleitung für das Räuchern: Das Ritual sieht vor, jeden Raum der Wohnung oder des Hauses mit den Rauchwaren in der Hand zu betreten und dreimal entgegen dem Uhrzeigersinn in dem Raum herumzugehen. So wird ein Schutz gegen böse Geister aufgebaut und die Räume mit positiver Energie angefüllt. Als idealer Tag zum Räuchern wird dabei der Dreikönigstag am 6.1. empfohlen.

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