Fasching und die Faschingszeit in Österreich

In ganz Österreich wird Fasching begangen - allerdings nicht überall gleich

Fasching hat in Österreich lange Tradition und wird von Region zu Region unterschiedlich gefeiert. Woher kommt dieser Brauch? Welche Bedeutung hat er noch heute? Und was hat es eigentlich mit den Faschingskrapfen auf sich?

Der Fasching ist für viele Österreicher und Österreicherinnen einer der wichtigsten Höhepunkte des Jahres. Auch als „die 5. Jahreszeit“ bekannt, ist der Fasching eine Zeit der Lebensfreude, des Genusses und der Ausgelassenheit. Die Faschingszeit beginnt jedes Jahr am 11.11. um 11:11 Uhr und dauert bis zum Aschermittwoch, welcher die 6-wöchige Fastenzeit zur Vorbereitungszeit auf Ostern einläutet.

Rosenmontag, Faschingsdienstag, Aschermittwoch – die 5. Jahreszeit

In vielen österreichischen Bundesländern wird der Fasching hauptsächlich an vier aufeinander folgenden Tagen gefeiert: Faschingssamstag, Rosenmontag, Faschingsdienstag und Aschermittwoch. Der Faschingssamstag ist bekanntlich der Start der ausgelassenen Festivitäten, die sich zumeist am Rosenmontag fortsetzen. Der „Rosenmontagsball“ ist in vielen Bundesländern ein besonderes Highlight, wofür man sich schon lange im Voraus um kreative Faschingskostüme bemüht. Der Faschingsdienstag wird in vielen Bundesländern als „inoffizieller Feiertag“ gehandhabt und ist jener Tag, an dem vielerorts der bekannte Faschingsumzug stattfindet. Am Aschermittwoch wird die ausgelassene Faschingszeit mit dem traditionellen „Heringsschmaus“ beendet.

Während des Faschings ist (fast) alles erlaubt – Verkleidungen, Umzüge, gutes Essen und geselliges Trinken. Dabei ist die Tradition der ausgelassenen Faschingsfeiern unmittelbar mit der römisch-katholischen Fastenzeit verknüpft. Denn bevor die 40-tägige Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern angetreten wird, soll noch einmal die Gelegenheit genutzt werden, um ausgiebig zu feiern. Aus dem Umstand heraus, dass damals vor allem Fleisch gefastet wurde, ist vermutlich auch der Begriff „Karneval“ entstanden, der sich aus dem mittellateinischen „carne levare“ (Fleisch entfernen) ableiten lässt. Mit den Verkleidungen und den „Narrenfesten“ wurden zudem für kurze Zeit die damals sehr rigiden sozialen Verhältnisse umgekehrt: Jeder durfte sagen was er wollte, ohne bestraft zu werden.

Krapfen und Heringsschmaus – Fasching ist Genusszeit

Und was hat es eigentlich mit den Faschingskrapfen auf sich? Auch diese Tradition lässt sich mit der Fastenzeit erklären, die früher viel strenger eingehalten wurde als heute. Neben Fleischverzicht durften auch sonst keine tierischen Produkte verzehrt werden. Darum mussten noch vor Aschermittwoch alle Schmalz- und Eiervorräte aufgebraucht werden, da sie sonst während der Fastenzeit verdorben wären. Die in Schmalz gebackenen Krapfen eigneten sich sehr gut für die Resteverwertung und schmeckten zudem ausgezeichnet. Kein Wunder, dass sich diese Tradition bis heute gehalten hat.

Der Faschingskrapfen
Krapfen auf einem Teller Krapfen auf einem Teller Krapfen auf einem Teller

Wo der Faschingskrapfen herkommt, weiß eigentlich keiner so genau. Es gibt die verschiedensten Theorien, wobei sich eine davon als ganz besonders spannend herausstellt: Die Wiener Hofratsköchin Cäcilie Krapf soll für die Erfindung des runden, süßen Gebäcks verantwortlich sein. Für den Hofball während des Wiener Kongresses soll sie „Cillikugeln“ – runde, in Fett herausgebackene, mit Früchten befüllte Germteigkugeln – kreiert haben. Zumindest der Name des Faschingsgebäcks ließe sich anhand dieser Theorie ableiten.

Bei genauer Recherche lässt sich jedoch bereits im 9. Jahrhundert ein Süßgebäck finden, das den Namen „Krapfo“ trägt. In Wien wurden die ersten „Krapfenbacherinnen“ schon 1486 erwähnt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sollen angeblich um die 10 Millionen Krapfen verspeist worden sein, die meisten davon beim Wiener Kongress. In Deutschland heißt der Krapfen übrigens „Berliner“ und findet seinen Ursprung beim Militär, genauer gesagt bei der Artillerie. Ein Zuckerbäcker soll auf die Idee gekommen sein, Kanonenkugeln aus Teig zu formen und im heißen Fett zu backen. Somit war in Deutschland der „Berliner“ geboren.

Wie und wo der Krapfen nun tatsächlich entstanden ist, bleibt eine spannende Frage. Fakt ist jedoch, die Faschingszeit wäre ohne den allseits beliebten Faschingskrapfen undenkbar, den es in den verschiedensten Geschmacksrichtungen gibt. Es gibt Krapfen mit Marillenmarmelade, Krapfen mit Nougat- oder Vanillefülle, Faschingskrapfen ohne Fülle und noch vieles mehr. Bei der Zubereitung der Krapfen gibt es zwei unterschiedliche Techniken: Das „Schleifen“ oder das „Stechen“. Dabei wird beim „Schleifen“aus der Teigmasse die Krapfenformen mit den Händen gerollt und mit viel Feingefühl in die richtige Form gebracht. Beim „Stechen“ werden die Krapfen hingegen aus dem als Ganzes ausgerollten Teig gestochen, wofür ein Messer oder eine Ausstechform verwendet werden können.

Hier finden sie ein schmackhaftes Rezept für Faschingskrapfen.

Der Heringsschmaus

Mit Beginn der Fastenzeit, also am Aschermittwoch, wird in christlicher Tradition, wie bereits erwähnt, auf Fleisch verzichtet, woraus sich der traditionelle Heringsschmaus entwickelt hat. Der saure Fisch galt früher als „Arme-Leute-Essen“ und eignet sich bis heute auch als hervorragendes Katerfrühstückvor nach den durchzechten Faschingsnächten. Die Zubereitung eines guten Heringssalats ist recht schnell gemacht:

Heringssalat

Zutaten für 4 Portionen: 10 Heringe, 3 Gurkerl, 2 Kartoffeln (gekocht), 2 Äpfel (mittelgroß), 120 g Rahm, 1 EL Senf, 5 EL Mayonnaise, 1/2 Zwiebel, 1 Ei (hart gekocht und geschält; zum Garnieren), Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Zucker, 1/2 Heringfilet (zum Garnieren)

Zu Beginn alle Heringe filetieren, das Rückgrat entfernen und die Heringe in große Würfel schneiden. Danach die Äpfel und Kartoffeln schälen und gemeinsam mit den Gurkerln klein würfeln. Weiters die Zwiebel schälen und sehr fein schneiden. Die Mischung mit Salz, Pfeffer, Zucker, Senf und etwas Zitronensaft vermengen. Zu guter Letzt den Rahm mit der Mayonnaise vermengen und der Mischung unterheben. Vor dem Servieren den fertigen Heringssalat auf Blattsalat anrichten und mit dem halben Heringsfilet dekorieren. Für einen festlichen Heringsschmaus kann man den Heringssalat auch mit einer Gurkenscheibe, mit Eischeiben sowie mit Krauspetersilie garnieren. Selbstgemachte Heringssalate und sowie frische Heringe bester Qualität findet man übrigens auch in vielen ADEG Märkten. Unser ADEG Kaufmann Gerald Haller aus Seeboden ist z.B. besonders auf frischen Fisch spezialisiert.

Heringssalat in einer Schüssel auf einem gedeckten Tisch Heringssalat in einer Schüssel auf einem gedeckten Tisch Heringssalat in einer Schüssel auf einem gedeckten Tisch


Fasching in Österreich

Viele Regionen haben ihre eigenen Traditionen zu Fasching – Grund genug, sie einmal genauer vorzustellen!


Ausseer Fasching
Trommelweiber Trommelweiber Trommelweiber

Die Faschingszeit wird von den Steirern als „die 5. Jahreszeit“ gesehen und auch dementsprechend zelebriert. Drei Tage lang herrscht in Bad Aussee ein nahezu pausenloses Maskentreiben – man nennt dies auch „Maschkera“.

Am Faschingssontag beginnt das Faschingstreiben mit den heiteren „Faschingsbriefen“. Hierfür werden in verschiedenen Gaststätten besondere Vorkommnisse im Ort des vergangenen Jahres auf humorvolle Art und Weise dargeboten. Am Rosenmontag starten die ersten Faschingsumzüge mit den „Trommelweibern“. „Trommelweiber“ bezeichnen in weiße Nachthemden gekleidete, maskierte Männer, die zu den Klängen des traditionellen Ausseer Faschingsmarsches durch den Ort gehen, um den Winter auszutreiben. Der Faschingsdienstag steht dann ganz im Sinne der „Flinserl“ und der „Pless“. Mit ihren bunten, glitzernden Gewändern zählen die „Flinserl“ – die Frühlingsgestalten des Ausseer Fasching – zu den schönsten Maskengestalten Österreichs. Sie ziehen durch die Gassen und beschenken hierbei die Kinder. Die „Pless“ wiederum repräsentieren den Winter – sie ziehen in alte Kleidung gehüllt, und mit einem Stock in der Hand an dem ein nasser Fetzen befestigt ist, ebenso durch die Gassen. Auf die Rufe „Pless Pless“ sollte man achten und sich schleunigst davonmachen, da man ansonsten mit dem nassen Fetzen in Berührung kommen könnte. Die Kinder des Ortes versuchen die „Pless“ und zugleich den Winter mit Schneebällen zu verjagen.

Ebenseer Fetzenzug

Beim traditionellen Ebenseer Fetzenzug – ein bekannter am Rosenmontag stattfindender Faschingsumzug in der österreichischen Gemeinde Ebensee – kleiden sich die Teilnehmenden, die so genannten „Fetzen“, in alte mit Lumpen versetzte Frauengewänder. Sie tragen außerdem einen Fetzenhut. sowie eine kunstvoll geschnitzte Holzmaske.

Der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung ist das „Austadeln“, bei dem die Fetzen ihren Mitbürgern mit verstellter Stimme die Meinung sagen. Das Ziel dabei ist, nicht erkannt zu werden. Da das „Austadeln“ manchmal ausartete und die Grenzen des guten Geschmacks überschritten wurden, führte man 1954 die „Fetzenpolizei“ ein, welche seitdem als Ordnungshüter fungiert.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Ortes Ebensee ist der Fetzenzug zu einem Identifikationssymbol geworden und spielt eine wichtige Rolle für das Ebenseer Ortsbewusstsein. Das unterstützt auch der Ebenseer ADEG Markt von Kaufmann David Nanasi, der während der Festzeit für eine rundum genussvolle Verköstigung der Ortschaft sorgt.

Imster Schemenlauf

Das Imster Schemenlaufen – auch Imster Fasnacht genannt – ist ein Fastnachtsbrauch in Imst in Tirol. Das Schemenlaufen findet etwa alle vier Jahre statt, das nächste Mal wieder am 09. Februar 2020. Das Faschingsfest geht von früh morgens bis exakt 18 Uhr abends. Die zahlreichen männlichen und weiblichen Figuren werden nach alter Tradition ausschließlich von Männern verkörpert – die Frauen der Teilnehmer sind jedoch für die Herstellung der Gewänder zuständig. Die Imster Fasnacht darf sich seit 2010 sogar Österreichs immaterielles UNESCO-Kulturerbe nennen.

Imster Schemenlauf - Bild einer Puppe Imster Schemenlauf - Bild einer Puppe Imster Schemenlauf - Bild einer Puppe


Kärnten

Der Faschingsdienstag gilt in Kärnten als inoffizieller Feiertag und wird dementsprechend gefeiert. Es ist zwar kein gesetzlicher Feiertag, wenn jedoch Faschingsumzüge stattfinden, haben nachmittags viele Banken und Geschäfte geschlossen. Wer an dem Tag arbeiten muss, darf in manchen Betrieben die gearbeiteten Stunden als Zeitausgleich konsumieren.

Über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt ist außerdem der „Villacher Fasching“, der jährlich in Villach stattfindet und dessen Höhepunkte auch im TV übertragen werden. Das Highlight des „Villacher Fasching“ ist der am Faschingssamstag stattfindende Faschingsumzug in der Innenstadt. Dabei präsentieren sich nicht nur die Villacher Narren in den ausgefallensten Verkleidungen, sondern es nehmen daran auch Gruppen aus anderen Bundesländern und aus anderen europäischen Ländern teil.

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