Zitronenverbene

Aloysia citrodora

Die heilende Kraft der Pflanzen

Der mehrjährige Halbstrauch mit einer Wuchshöhe von bis zu 120 cm gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse. Beim Berühren verströmen die hellgrünen, spitz zulaufenden und unbehaarten Blätter den charakteristischen Zitronendurft, deshalb auch der Name Zitronenstrauch. Mitte Juli bis Ende September entwickeln sich zierliche weiße Blüten.

Verwendung

Zitronenverbene Zitronenverbene

Zur Verfeinerung von Speisen und Getränken werden bevorzugt frische Blätter eingesetzt. So kann man Salate, Fleisch-, Fisch-, Geflügel- und Pilzgerichte sowie Cremes und Speiseeis mit ihrem Aroma veredeln. Auch im Zuckerguss von Kuchen oder in Sommergetränken und Cocktails kommen Geschmack und Duft der Zitronenverbene voll zur Geltung. Mit kochendem Wasser übergossen, ergeben die Blätter einen beruhigenden Tee, in Frankreich als "Verveine" bekannt. Dieser wird auch beim Stillen empfohlen. In der Kosmetik wird der Duft in Badezusätzen und Parfums verwendet. Ein mit frischen Blättern gefülltes Säckchen erzeugt einen angenehmen Geruch im Kleiderkasten und vertreibt überdies Insekten. Als Heilkraut oder in der Aromatherapie nutzt man die Pflanze zur Verdauungsförderung, Appetitanregung und gegen Nervosität und Schlaflosigkeit. Außerdem lindert der Duft Konzentrationsstörungen und wirkt gegen Depression und Müdigkeit. Die antibakterielle und schmerzlindernde Wirkung von Zitronenverbene-Tees und -Umschlägen hilft bei Erkältungen und Fieber, außerdem bei leichten Sportverletzungen.

Tipps

Zitronenverbene-Sirup
350 Gramm Zucker in 250 ml heißem Wasser auflösen und abkühlen lassen, dann über 3 Zweige mit Blättern gießen. 1 bis 2 Limetten in Scheiben oder den Saft davon dazugeben und zugedeckt 2 Tage durchziehen lassen. Danach die Flüssigkeit filtern, kurz aufkochen und in Flaschen füllen.

Tee zur Entspannung und gegen Schwangerschaftsübelkeit
2 Teelöffel getrocknetes Kraut oder 5 frisch gepflückte Blätter mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 8 bis 10 Minuten ziehen lassen.

Umschlag gegen Muskelschmerzen oder Augenschwellung
Mullstoff oder Wattepads in gekühlten Tee tauchen und auf die entsprechende Körperpartie legen.


Geschichten und Bräuche

Schon den Griechen war die Pflanze als Heilkraut bekannt. Sie wurde den Dryaden gewidmet, den Baumnymphen der griechischen Mythologie. So schreibt Plinius: "Die großen Magier sagen die verrücktesten Dinge über die Pflanze. Die Menschen scheuern sich damit ein und machen all ihre Wünsche real. Das Fieber verschwindet und alle Krankheiten werden geheilt." Ende des 17. Jahrhunderts brachten spanische Seefahrer die Pflanze aus Südamerika nach Europa, wo sie im 18. Jahrhundert zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben wurde. Der botanische Name Aloysia geht auf Maria Luisa Teresa de Parma zurück, die Gattin des spanischenönigs Carlos IV.

Auf den Balearen sollen traditionell arbeitende Tierärzte die entkrampfende Wirkung des Krauts zum Heilen von Koliken von Pferden und Reindern verwendet haben, und heute noch gilt die Zitronenverbene nicht nur als Zier- und Duftpflanze, sondern wird hauptsächlich als Gewürz- und Heilpflanze eingesetzt. Nach Hildegard von Bingen gibt es den Brauch, dass am 15. August Frauen ihre Kräuterbuschen aus Zitronenverbene und vielen anderen Kräutern in der Kirche weihen lassen. Anschließend werden die Kräuter aufgehängt und bei Bedarf entnommen. Im Lavanttal gehört die "Gute Luise", wie die Zitronenverbene dort genannt wird, zusammen mit Myrte, Rosmarin, Rosenkraut, Weinkraut und Lavendel zu den wohlriechenden Kräutern im "Bischli", das von Männern und Fruaen in Tracht getragen wird und als "Parfum der armen Leute" gilt.

Anbau und Pflege

Zitronenverbene wird von Februar bis März ausgesät und wächst am besten an sonnigen Standorten bei Temperaturen um die 20° C. Leicht feuchte, durchlässige und eher nährstoffarme Böden sind ideal. Der Zitronenstrauch ist nur bedingt winterhart (bis zu - 8° C) und sollte daher zur Überwinterung ins Haus gebracht werden. Ein Rückschnitt ist zu empfehlen.