Im Land der 60 Seen

Authentisch präsentiert sich die südöstlichste Region Salzburgs, der Lungau, mit viel Brauchtum und noch mehr landschaftlichen Reizen.

Der Lungau liegt auf durchschnittlich 1.000 Meter Seehöhe, eingebettet zwischen den Hohen und den Niederen Tauern und den Kärntner Nockbergen. Mit ihnen gemeinsam bildet der Lungau Österreichs größten UNESCO-Biosphärenpark. Gleichzeitig zählt die Region aufgrund ihrer Höhenlage zu den sonnenreichsten Gebieten Österreichs. Und der Lungau kann mit einem weiteren Superlativ aufwarten: Er ist die höchstgelegene E-Bike-Region im Lande - und der Herbst die ideale Radlzeit. Das 500 Kilometer lange Mountainbike- Wegenetz lässt sich dank der E-Mountainbikes überraschend unanstrengend erradeln. Treten muss man aber dennoch: Der Motor der Pedelecs (so ist die korrekte Bezeichnung für diese Art von E-Bikes) startet nämlich erst, wenn man in die Pedale tritt. Praktischerweise lädt sich der Akku beim Bergabfahren wieder auf.

Dennoch muss das Pedelec ab und zu wieder Strom an einer Steckdose tanken. Aber keine Sorge, im Lungau sind Radkarten, Verleih- und Ladestationen, Servicestellen und Einkehrmöglichkeiten bestens aufeinander abgestimmt. Ladestationen gibt es sogar auf über 2.000 Meter Höhe, zum Beispiel bei der Speiereckhütte. Sie ist auch mithilfe der Bergbahn von Mauterndorf aus leicht erreichbar. Von der Hütte ist es dann nicht mehr weit auf den 2.411 Meter hohen Gipfel des Speierecks oder zu den Trogalmseen. Sie sind bei weitem nicht die einzigen Bergseen im Lungau. Fast 60 Seen – mit ausgezeichneter Wasserqualität – hat die Region zu bieten, und viele davon sind mittels leichter Wanderungen einfach zu erreichen.

süße Jause am Berggipfel süße Jause am Berggipfel süße Jause am Berggipfel
ein Radfährer fährt eine Wiese hinunter ein Radfährer fährt eine Wiese hinunter ein Radfährer fährt eine Wiese hinunter

Wandern im Spätsommer und Frühherbst

So bestechen die beiden Rotgüldenseen durch ihre traumhafte Lage am Fuß eines Dreitausenders - des Großen Hafner. Der untere See ist in etwa eineinhalb Stunden vom Tal aus zu erreichen. Direkt am See liegt die Rotgüldenseehütte – damit ist auch für eine Stärkung während der Tour gesorgt. Die Hütte hat bis Ende September geöffnet und bietet bei Bedarf Übernachtungsmöglichkeiten und einen Kinderspielplatz. Zwei weitere, sehr idyllisch gelegene Bergseen erreicht man in einer etwas längeren und anspruchsvolleren Wanderung ausgehend vom Lessachtal bei Tamsweg – den Zwerfenberg- und den Angersee. Der zirka dreistündige Anstieg führt über mehrere Almen und an einigen schönen Wasserfällen vorbei. Da es unterwegs keinen Stützpunkt gibt, sollte man auf dieser Tour genügend Proviant zum Essen mitnehmen. Wasser gibt es entlang des Weges genug, da man über weite Strecken direkt am Lessach- bzw. Zwerfenbergbach entlangmarschiert.

Das Göriachtal ist Ausgangspunkt für eine weitere Wanderung zu zwei Bergseen im Doppelpack. Der Obere und der Untere Landawirsee sind in etwa zweistündiger Gehzeit erreichbar. In unmittelbarer Nähe der Seen befindet sich die Landawirseehütte, die bis Ende September hungrige Wanderer mit hausgemachten Schmankerln wie Bauernkrapfen, Kasnocken und Kaspressknödelsuppe versorgt.

Von der Alm auf den Teller

Kulinarisch bietet die Region noch einige andere Spezialitäten. Wer gerne traditionelle Landeskost ausprobiert, hat besonders im Lungauer Bauernherbst Gelegenheit dazu. Ein typisches Gericht ist das „Schöpserne“, ein Braten von einem Lamm, das den Sommer über auf der Alm geweidet hat. Es wird meist mit Krenkoch (Meerrettich), Grantn (Preiselbeeren) und „Eachtling“ serviert - so werden im Lungau die Erdäpfel genannt. Die heißen hier nicht nur anders, sie schmecken auch anders - nämlich besonders aromatisch und kernig. Das haben sie den naturbelassenen, sehr humushältigen und sandigen Böden in der Region rund um Tamsweg zu verdanken. Der „Eachtling“ zeichnet sich durch sein hochwertiges Eiweiß, viele Vitamine und wertvolle Mineralstoffe aus – und die Lungauer Erdäpfel sind besonders widerstandsfähig. Eine weitere Spezialität ist das Lungauer „Hasenöhrl“, Teigstücke, die in heißem Fett herausgebacken und mit Sauerkraut serviert werden.

Dass im Herbst die Schafe von der Weide abgetrieben werden, feiert man in Göriach mit einem bodenständigen Fest, heuer am 29. September. Dabei dürfen natürlich Köstlichkeiten und heimische Produkte rund um das Schaf nicht fehlen. Unverfälschtes Brauchtum wird im Lungau großgeschrieben. Hier wird nicht für Touristen inszeniert. Zu den Bauernherbst- und Erntedankfesten finden im September in mehreren Ortschaften die Samsonumzüge statt. Der Samson ist eine etwa 85 Kilogramm schwere und sechs Meter hohe biblische Heldenfigur, die im 17. Jahrhundert entstand und der übermenschliche Kräfte zugeschrieben werden. Zehn der zwölf Samson-Figuren, die es im Alpenraum gibt, stammen aus dem Lungau. Bei den Umzügen werden diese schweren Riesen von Junggesellen mithilfe eines Gerüsts im Inneren der Figur getragen.

Ein Bauer betrachtet seine geernteten Erdäpfel Ein Bauer betrachtet seine geernteten Erdäpfel Ein Bauer betrachtet seine geernteten Erdäpfel
Ein Holzhaus neben einem Wanderweg, daneben ein Mann der mit seinem Kind spazieren geht Ein Holzhaus neben einem Wanderweg, daneben ein Mann der mit seinem Kind spazieren geht Ein Holzhaus neben einem Wanderweg, daneben ein Mann der mit seinem Kind spazieren geht
Detailaufnahme von Alphörnern Detailaufnahme von Alphörnern Detailaufnahme von Alphörnern

„HoamART“ am Katschberg

Die Traditionen aus dem Lungau vereinen sich bei dem Festival „HoamART“ mit den Traditionen aus Kärnten. Von Ende August bis Mitte Oktober findet am Katschberg, der Grenzregion zwischen dem Salzburger Lungau und Kärnten, eine regionenübergreifende Veranstaltungsreihe mit authentischer Kultur und viel Musik statt. Während der „HoamART“-Zeit wird auf den Katschberger Almhütten mehrmals pro Woche musiziert und gesungen. Highlights im Festtagskalender sind der Katschberger Trachtenerlebnistag am 26. August, das Alphorn- und Weisenbläsertreffen auf der Gamskogelhütte am 8. und 9. September sowie der Weg der alpenländischen Volksmusik. Dabei spielen von 5. bis 7. Oktober auf mehreren Hütten diverse Volksmusikgruppen im Gontal auf, einem abgelegenen Tal zwischen dem Katschberg und dem 2.500 Meter hohen Kareck. Außerdem kann man im Zuge einiger Veranstaltungen verschiedenen Handwerkern, wie beispielsweise einem Holzschnitzer, Hufschmied oder Schindelmacher, bei ihrer traditionellen Arbeit zuschauen. Am 26. September verrät Sabine, die Wirtin der Branntweinerhütte am Aineck, das Geheimnis der Herstellung des Lungauer Rahmkochs, auch als „ Lungauer Marzipan“ bekannt. – Es steht uns ein abwechslungsreicher Herbst im Lungau und am angrenzenden Katschberg bevor.






Text: Philipp Gruber
Fotos: Symbolfotos

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