Töpfeweise guter Geschmack

Erwin Binder aus dem burgenländischen Seewinkel produziert unter anderem Ja! Natürlich Bio-Paradeiser, -Gurken und -Kräuter. Warum der gelernte Schlosser zum leidenschaftlichen Bio-Bauern wurde und er rund 100 Paradeisersorten auf seinem Hof hat.
 
Illustration Gemüse Illustration Gemüse Illustration Gemüse
Illustration Karte Burgenland Illustration Karte Burgenland Illustration Karte Burgenland

Zufällig nach Sankt Andrä im Seewinkel zu kommen, das passiert einem eher nicht. Zu wenig zentral, zu abgelegen ist der kleine Ort, der mit dem Slogan „Weit weg vom Alltag“ um Besucher wirbt. Ziemlich dem Zufall zu verdanken ist es hingegen, dass Erwin Binder genau hier, an diesem sonnenverwöhnten, verträumten Fleckchen im äußersten Osten Österreichs, biologisches Gemüse und Kräuter produziert.

Binder, aufgewachsen als Sohn von Erwerbsbauern, wollte die berufliche Tradition seiner Eltern eigentlich nicht fortsetzen. Nachdem er eine Weile im elterlichen Betrieb eingebunden war, entschied er sich dazu, eine Lehre als Schlosser zu machen und in einem Unternehmen zu arbeiten. Dann kam ihm Sizilien dazwischen, und alles änderte sich schlagartig. „Ich nahm an einer vom Ernteverband – dem heutigen Bio Austria - organisierten Exkursion nach Sizilien teil“, erzählt Binder. „Was ich dort gesehen habe, hat mich derart beeindruckt, dass ich das unbedingt hier in Österreich auch probieren wollte.“ Die Rede ist von nachhaltiger Produktion im Einklang mit der Natur, von Kreislaufwirtschaft, die den Böden organische Substanz und Nährstoffe nicht nur nimmt, sondern auch wieder zurückgibt.

Mitarbeiter packen mit an und putzen ein Metallgehäuse Mitarbeiter packen mit an und putzen ein Metallgehäuse Mitarbeiter packen mit an und putzen ein Metallgehäuse
Eine Hand hält frisch geerntete Radieschen Eine Hand hält frisch geerntete Radieschen Eine Hand hält frisch geerntete Radieschen
ein Mann begutachtet frischen Schnittlauch im Topf, dahinter stehen weitere Töpfe ein Mann begutachtet frischen Schnittlauch im Topf, dahinter stehen weitere Töpfe ein Mann begutachtet frischen Schnittlauch im Topf, dahinter stehen weitere Töpfe

Kooperation mit Adeg und Ja! Natürlich

Im Jahr 1992 pachtete Binder einen kleinen Teil der Grundstücke seiner Eltern, ungefähr einen Hektar Freilandfläche und einen Folientunnel, und stellte auf biologische Produktionsweise um. Im Jahr darauf begann die Zusammenarbeit mit dem Lebensmitteleinzelhandel. „Man hat uns gefragt, ob wir es schaffen, 8.000 Kilo Paradeiser pro Woche zu liefern“, erinnert sich Binder. Das sei ambitioniert gewesen, aber machbar. Heute beliefert Binder unter der Marke Ja! Natürlich auch die ADEG Märkte. „Dass wir schon bald 25 Jahre mit Ja! Natürlich zusammenarbeiten, ist der beste Beweis dafür, dass es für beide Seiten gut funktioniert“, hält Binder fest. An der guten Qualität der Kooperation hat sich nichts geändert, die produzierten Mengen sind seit den Anfängen hingegen kontinuierlich gestiegen.

80.000 Kräutertöpfe pro Woche
Erwin Binder riecht an frischem Schnittlauch Erwin Binder riecht an frischem Schnittlauch Erwin Binder riecht an frischem Schnittlauch

Heute bewirtschaften Erwin Binder und seine 35 bis 40 Saisonmitarbeiter, die im Frühjahr und Sommer eingesetzt werden, 50 Hektar Freilandfläche und fünf Hektar Folientunnel. Es werden hauptsächlich Gurken, Paradeiser, Radieschen, Salat und Kräuter kultiviert. Jetzt zu Frühlingsbeginn geht die Kräutersaison so richtig los. Die Kräuter werden direkt in Töpfen aufgezogen und, wenn sie die richtige Größe erreicht haben, vor Ort verpackt und an die Supermärkte geliefert. „Im Frühling und Sommer haben wir Hochsaison, da liefern wir 60.000 bis 80.000 Ja! Natürlich-Kräuter an den Handel“, so Binder. Im Herbst und Winter sind es immerhin noch 20.000 bis 25.000 Töpfe pro Woche, die aus dem Seewinkel in die Supermärkte gelangen.

„Jetzt Ende März bzw. Anfang April haben wir nicht nur alle Hände voll zu tun mit unseren Kräutern. Auch auf dem Feld stehen Arbeiten an, beispielsweise wird der Rucola gepflanzt“, sagt Binder. Im unbeheizten Folienhaus kommen ab etwa Mitte April die Paradeiserpflänzchen in die Erde, die Paprikapflanzen sind etwas später dran, weil sie mehr Wärme benötigen.


Samenfeste Sorten

Die Paradeiser sind Erwin Binders Lieblingsgemüse, und sie liegen ihm auch besonders am Herzen. 20 verschiedene Sorten gelangen vom Hof in den Handel – darunter gängige Sorten, aber auch Raritäten wie die grüne Zebra oder Ochsenherz. „Wir machen mit ungefähr 100 verschiedenen Paradeisersorten Versuche hier bei uns. Nicht alle eignen sich gleich gut für den intensiven Anbau“, hält Binder fest. Ein sehr großes Anliegen ist ihm der Erhalt von alten, samenfesten Sorten. Als samenfest gilt eine Pflanze dann, wenn aus ihren Samen Pflanzen wachsen, die dieselben Eigenschaften und Gestalt haben wie ihre Elternpflanzen. Eine samenfeste Sorte kann wie früher natürlich vermehrt werden. Bei Hybridpflanzen ist das nicht möglich. Sie sind das Ergebnis von gekreuzten Elternlinien mit sehr speziellen Eigenschaften. Verwendet man die Samen von Hybridpflanzen zur Vermehrung, fallen die Nachkommen sehr unterschiedlich aus, und der Ertrag ist gering. „Die Folge davon ist, dass die Bauern jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen, weil sie es bei Hybridpflanzen nicht weiterverwenden können. Ich als Landwirt will mich aber nicht von großen Konzernen abhängig machen, die unglaublich teures Saatgut verkaufen.“ Stattdessen setzt er auf eigene Vermehrungen, die er von Jahr zu Jahr optimiert.

Produkte

  • Kräuter
  • Salat
  • Gurken
  • Paradeiser
  • Radieschen
Warum Bio einfach besser ist
Rucolablätter noch in der Erde Rucolablätter noch in der Erde Rucolablätter noch in der Erde


Nicht nur das Thema Samenfestigkeit spielt in der Bio-Landwirtschaft eine immer größere Rolle. Das System der Kreislaufwirtschaft, das Binder zum ersten Mal bei seiner alles verändernden Reise nach Sizilien kennenlernte, ist für die biologische Produktionsweise essenziell, wie der Gemüsebauer erklärt: „Das ist auch der größte Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft. Wir arbeiten nachhaltig, indem wir den Humusgehalt des Bodens über die Jahre erhöhen und den Boden nicht überstrapazieren.“ Den Dünger für den Boden produziert der Betrieb selber, lediglich Rindenmulch wird dazugekauft. Dieser wird zusammen mit dem anfallenden Grünschnitt kompostiert, der Kompost wird auf die Böden aufgebracht. Binder: „So gelingt es uns, einen gesunden Boden aufzubauen.“

Das allein reicht aber noch nicht, um ein gutes Pflanzenwachstum sicherzustellen. „Wir müssen darauf achten, nicht immer die gleichen Sachen auf einem Feld anzubauen. Die sogenannte Fruchtfolge ist immens wichtig, um die Bodenqualität hoch zu halten.“ Die Folienhäuser werden alle vier bis fünf Jahre auf einen anderen Platz gestellt, und auch im Freiland wechseln die Sorten, die auf derselben Fläche angebaut werden. In der Bio-Landwirtschaft sind synthetisch- chemische Düngemittel nicht erlaubt, die Bauern behelfen sich mit natürlichen Methoden wie der Fruchtfolge. „Derart produzierte Bio-Ware kann man guten Gewissens kaufen“, betont Binder. Und guten Gewissens essen. Das macht Landwirt Erwin Binder sowieso am liebsten, wie er lachend zugibt: „Ich esse tatsächlich sehr, sehr gern Gemüse – und das am liebsten roh.“ Kaum etwas geht für Binder über den intensiven Geschmack eines vollreifen Paradeisers oder eines knackigen Paprikas. Etwas anzubauen, das man selber so gern möge, sei doch etwas sehr Schönes. „Noch schöner ist es aber“, setzt er hinzu, „wenn ich morgens, meist bei Sonnenaufgang, meinen Rundgang über die Felder mache und sehe, wie die Pflänzchen von Tag zu Tag größer werden. Das macht mich richtig zufrieden.“

Weitere Lieferanten


Links zu weiteren ADEG Lieferanten